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Ursäuger

Ursäuger

Die Ursäuger (Protheria) sind ein Taxon der Säugetiere, das in der traditionellen Systematik als Unterklasse geführt wird. Sie umfassen eine einzige Ordnung, die Kloakentiere (Monotremata). Ursäuger unterscheiden sich von allen anderen Säugetieren dadurch, dass sie keinen lebenden Nachwuchs zur Welt bringen, sondern Eier legen.

Merkmale

Ursäuger werden trotz ihrer eierlegenden Fortpflanzungsweise zu den Säugetieren gerechnet, da sich diese Gruppe über andere Merkmale definiert, die diese Tiere alle aufweisen. Dazu gehören das Fell, das Säugen des Nachwuchses mit Milch sowie eine Reihe anatomischer Merkmale, zu denen unter anderem die drei Gehörknöchelchen zählen. In einer Reihe von Merkmalen unterscheiden sie sich allerdings von den anderen Säugern. Sie haben nur einen (gemeinsamen) Körperausgang für Geschlechtsorgane, Harnleiter und Darm, die Kloake, der sie auch die Bezeichnung Kloakentiere verdanken. Details im Bau des Schädels, des Schulter- und Beckengürtels sind „reptilienähnlicher“ als bei den anderen Säugetieren. Sie sind zwar homoiotherm, haben also eine gleichwarme Körpertemperatur, allerdings liegt diese mit 30° bis 32° deutlich unter der anderer Säuger, auch sind ihre Fähigkeiten zur Thermoregulation eingeschränkter. homoiotherm] Ihr Schädel ist langgestreckt und endet in einem gummiartigen Schnabel. Dieser ist mit äußerst sensiblen Elektrorezeptoren ausgestattet, mit deren Hilfe die Ursäuger die schwachen Muskelbewegungen ihrer Beutetiere regisitrieren und sie so orten können. Sie haben kleine Augen und keine äußeren Ohrmuscheln. Erwachsene Tiere haben keine Zähne mehr, die Schlüpflinge weisen jedoch noch einen Eizahn auf, mit dessen Hilfe sie die Eischale durchbrechen. Die Gliedmaßen der Tiere sind kurz und kräftig und enden jeweils in fünf Zehen, die beim Schnabeltier mit Schwimmhäuten, bei den Ameisenigeln mit Grabkrallen versehen sind. Eine Besonderheit ist der vorwiegend bei männlichen Tieren vorkommende Giftstachel am Fußgelenk der Hinterbeine, der insbesondere beim Schnabeltier als Defensivwaffe eingesetzt wird. Ursäuger erreichen eine Kopfrumpflänge von 30 bis 77 Zentimetern, ihr Gewicht variiert von 1 bis 3 Kilogramm beim Schnabeltier bis zu 16 Kilogramm beim Langschnabeligel.

Verbreitung und Lebensweise

Ursäuger sind auf Australien und Neuguinea beschränkt, wo sie verschiedene Habitate bewohnen. Während die Ameisenigel terrestrische Tiere sind, führen die Schnabeltiere eine aquatische Lebensweise und sind in stehenden oder fließenden Süßwassern zu finden. Sie leben vorwiegend einzelgängerisch und sind eher dämmerungs- oder nachtaktiv. Ihre Nahrung besteht aus wirbellosen Tieren, aus Krabben, Insekten und deren Larven sowie Würmern.

Fortpflanzung

Die Ursäuger unterscheiden sich von allen anderen Säugetieren darin, dass sie nicht lebendgebärend sind, sondern Eier legen. Diese sind klein (rund 10 bis 15 Millimeter Durchmesser) und ähneln mit ihrer ledrigen Schale und dem großen Dotter mehr Reptilien- als Vogeleiern. Die ein bis drei Eier werden vom Weibchen rund zehn Tage lang bebrütet. Neugeschlüpfte Ursäuger sind nackt und klein und sind in ihrem embryoartigen Zustand neugeborenen Beuteltieren vergleichbar. Die weiblichen Tiere haben keine Zitzen, sondern Milchdrüsenfelder, von denen die Jungen die Milch ablecken.

Systematik

Beuteltiere] Die heutigen Arten der Ursäugern werden in zwei Familien mit drei Gattungen und vier Arten geteilt:
- Schnabeltiere (Ornithorhynchidae)
  - Schnabeltier (Ornithorhynchus anaticus)
- Ameisenigel (Tachyglossidae)
  - Kurzschnabeligel (Tachyglosus aculeatus)
  - Langschnabeligel (Zaglossus), 2 Arten Fossile Vorfahren der Schnabeltiere sind seit der Kreidezeit belegt, diese hatten allerdings noch Zähne in ihren Kiefern. Der Fund eines Zahnes von einem Schnabeltierverwandten namens Monotrematum sudamericanum aus dem Paläozän, der in Argentinien gemacht wurde, ist der bislang einzige Beleg für eine Verbreitung dieser Tiere außerhalb des australischen Raumes. Fossile Ameisenigel sind seit dem Pliozän belegt. Die stammesgeschichtliche Herkunft der Ursäuger ist umstritten. Früher wurde vermutet, die Ursäuger hätten sich aus einem anderen Zweig der Therapsiden („säugerähnlichen Reptilien“) entwickelt als die übrigen Säuger, dies gilt heute weitestgehend als unrichtig. Höchstwahrscheinlich haben sie mit den übrigen Säugern einen gemeinsamen Säugetiervorfahren haben, was die diese zu einer monophyletischen Gruppe macht. Wo sich die Ursäuger im Stammbaum der Säuger trennten und mit welchen ausgestorbenen Taxa sie näher verwandt sind, ist aber umstritten. Es gibt dazu mehrere Theorien, siehe dazu auch Entwicklungsgeschichte der Säugetiere.
- Eine Theorie ordnete die Säuger in zwei Taxa, die Theria (Beutelsäuger und Höhere Säugetiere), und die Prototheria, zu denen neben den Ursäugern eine Reihe urtümlicher Gruppen wie die Morganucodonta, die Docodonta, die Triconodonta und andere gehören. Diese Theorie ist kaum mehr verbreitet, die Ursäuger gelten als näher verwandt mit den übrigen Säugern als viele urtümliche Säugergruppen, was die „Protoheria“ zu einer hochgradig paraphyletischen Gruppe macht.
- Eine andere Theorie stellte die Ursäuger in ein nahes Verwandtschaftsverhältnis zu den Multituberculata, einer einst artenreichen, vom Jura bis zum Oligozän verbreiteten Säugertiergruppe, die äußerliche Ähnlichkeiten mit den Nagetieren aufwies. Die meisten Wissenschaftlicher vertreten allerdings heute die Ansicht, dass die Multituberculata einen von den Ursäugern fremder Zweig der Säuger darstellen.
- In jüngerer Zeit wurde von Luo und anderen (siehe Literatur) das Taxon der Australosphenida eingeführt. Nach dieser Theorie hätten sich diese als eine eigenständige Säugetiergruppe im Mesozoikum im damaligen Südkontinent Gondwana entwickelt. Diese Theorie stützt sich auf einige neuentdeckte Fossilienfunde, der Zähne Ähnlichkeiten mit den Zähnen der Schnabeltiervorfahren aufweisen. Von anderen Wissenschaftlern wird diese Theorie hingegen vehement bestritten, sie sehen in den Ursäugern einen isolierten Seitenzweig.
- Alle obigen Theorien setzen die Ursäuger in Kontrast zu den Theria, einem Taxon aus Beutel- und Höheren Säugern. Es gibt aber auch Hypothesen, die von einem gemeinsamen Vorfahren der Ur- und Beutelsäuger ausgehen. Dieses Taxon wird „Marsupionta“ genannt und bildet somit das Schwestertaxon der Höheren Säuger (Eutheria). Eine allgemein akzeptierte These über die Entwicklungsgeschichte und der Verwandtschaftsbeziehungen der Ursäuger zu den übrigen Säugetieren gibt es nicht, die Meinungsverschiedenheiten erklären sich auch dadurch, dass von vielen fossilen Arten lediglich Zähne oder Kieferteile gefunden wurden, was eine Interpretation erschwert. Möglicherweise können neue Fossilienfunde mehr Klarheit in dieser Frage bringen.

Literatur


- Bernhard Grzimek, Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreichs, Bechtermünz 2001 ISBN 3828916031 (Ursäuger in Band 10)
- Zhe-Xi Luo, Zofia Kielan-Jaworowska, Richard L. Cifelli: In quest for a Phylogeny of Mesozoic mammals. Acta Palaeontologica Polonica 47 (1): Seiten 1-78
- Malcolm C. McKenna, Susan K. Bell: Classification of Mammals: Above the Species Level. Columbia University Press, 2000 ISBN 0231110138
- Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999 ISBN 0801857899 Kategorie:Säugetiere ja:カモノハシ目 th:โมโนทรีมาตา

Taxon

Als Taxon (Plural Taxa) bezeichnet man in der Biologie eine systematisch benannte Gruppe von Lebewesen. Die wissenschaftliche Benennung von Taxa ist Aufgabe der Taxonomie, die sich wiederum auf die Ergebnisse der biologischen Systematik stützt. Unterschiedliche systematische Vorstellungen führen zu unterschiedlichen taxonomischen Ansätzen und damit zu alternativen Ergebnissen bei der wissenschaftlichen Benennung von Taxa. Aus traditionellen Gründen erhalten diese bis heute an die lateinische oder griechische Sprache angelehnte Namen. Der Name Taxon selbst leitet sich aus dem Griechischen τάσσειν (tassein) für „ordnen“ ab.

Formtaxa

Grundsätzlich lassen sich Formtaxa und echte Taxa unterscheiden. Erstere sind Gruppen von Lebewesen, die von der zugrunde liegenden Systematik zwar als nicht zusammengehörig erkannt worden sind, aber aus praktischen Gründen dennoch mit eigenem Namen beibehalten werden. Beispiele für solche Formtaxa sind:
- die Wirbellosen (Invertebrata), die sich dadurch auszeichnen, dass sie keine Knochen besitzen. Zu dieser von Jean-Baptiste de Lamarck benannten Gruppe gehört der weitaus größte Teil aller Tierarten. Wirbellose Tiere sind jedoch wie Schwämme (Porifera), Insekten (Insecta) oder Seesterne (Asteroidea) nur sehr entfernt miteinander verwandt und bilden keine natürliche Verwandtschaftsgruppe.
- die Flechten (Mycophycophyta), die als symbiotische Lebensgemeinschaften von Pilzen und Algen keine selbständigen Lebewesen sind, sondern aus zwei fundamental verschiedenen Partnern bestehen. Dennoch werden sie teils bis heute als eigenes Taxon mit dazugehörigen Untergruppierungen wie Gattungen und Arten geführt.
- die Fungi imperfecti (Deuteromycota), die eine Sammelgruppe für all diejenigen Pilze darstellen, die entweder über keine sexuellen Fortpflanzungsstrukturen verfügen oder deren Fortpflanzungswege noch unverstanden sind. Teilweise werden sogar ungeschlechtliche Stadien von Pilzen aufgenommen, die ansonsten durchaus zur sexuellen Vermehrung im Stande sind. Stammesgeschichtlich gehören viele Organismen dieser Gruppe zu anderen Gruppen der Pilze wie den Schlauch- (Ascomycota) oder Basidienpilzen (Basidiomycota).
- die Protisten (Protista), eine Gruppe von Lebewesen, die sich negativ als Gesamtheit aller Organismen mit echtem Zellkern (Eucaryota), die keine Tiere (Animalia), Pilze (Fungi) oder Pflanzen (Plantae) sind, definieren lässt. Sie werden oft auch Einzeller genannt, obwohl sich in dieser Gruppe auch zahlreiche mehrzellige Organismen finden, die wie beispielsweise die Braunalgen (Phaeophyta) zu den größten Lebewesen unseres Planeten zählen. Bei fossilen Formen ist oft aufgrund der unvollständigen Erhaltung eine genaue Artbeschreibung im traditionellen Sinne nicht möglich. In einem solchen Fall stellt man bei der Erstbeschreibung stattdessen Parataxa auf: Das sind formelle Taxa, die nur anhand von Resten eines Organismus beschrieben werden, welche keine nähere Zuordnung zu einem bestimmten Taxon erlauben. Sie werden in der Paläobotanik und Paläozoologie mit eigenen Form- oder Organarten und -gattungen (Partialnamen) bezeichnet; diese Vorgehensweise bezeichnet man als Parataxonomie. Ein Beispiel sind die zahnförmigen Fossilien der Conodonten, die aufgrund ihrer weiten Verbreitung und ihres Formenreichtums sehr bedeutende Leitfossilien im Paläozoikum (Erdaltertum) sind, obwohl man die zugehörigen Tiere erst 1981 entdeckte. Während es heute weitgehend unumstritten ist, dass es sich bei den vorstehenden Beispielen um Formtaxa handelt, ist die Frage, was als echtes Taxon anzusehen ist, wesentlich problematischer und hängt von grundsätzlichen systematischen Überlegungen ab: Was aus Sicht der einen Systematik ein gültiges Taxon ist, kann aus der Perspektive einer anderen lediglich eine formelle Gruppe sein.

Synonyme

Am einfachsten aufzulösen sind Unstimmigkeiten, die lediglich aufgrund synonymer Benennungen entstehen. So können zum Beispiel zwei Biologen, die in unterschiedlichen Regionen derselben Art begegnen, dieser zunächst unterschiedliche Namen zuordnen oder es können zwei ursprünglich als getrennt angesehene Arten als Teilpopulationen einer einzigen erkannt werden. Auf diese Weise hat zum Beispiel der Feldhase (Lepus europaeus) im Laufe der Zeit dreiundvierzig verschiedene wissenschaftliche Bezeichnungen (Synonyme) erhalten. Eine andere Möglichkeit ist, dass aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse eine veraltet geglaubte Gruppierung doch wieder als echtes Taxon angesehen wird, aber in Unkenntnis einer vielleicht Jahrhunderte zurückliegenden Benennung zunächst einen neuen Namen erhält. In beiden Fällen wird der Konflikt dadurch gelöst, dass allein die Erstbenennung, das so genannte Basionym zählt; alle anderen Namen gelten als ungültige Synonyme. Der umgekehrte Fall, dass zwei verschiedenen Taxa derselbe Name zugeordnet wird, kann ebenfalls auftreten. Auch hier gilt dann der Name für das zuerst benannte Taxon, für die andere(n) Gruppe(n) muss ein neuer Name gefunden werden. Bis dies geschehen ist, hat es sich zumindest in der Botanik eingebürgert, den Namen des Entdeckers als Kürzel der Artbezeichnung hinzuzufügen. Von größerer theoretischer Bedeutung für die Gültigkeit eines Taxons sind aber tiefergehende systematische Überlegungen zu der Frage, nach welchen Kriterien bestimmt wird, welche Gruppe von Lebewesen ein echtes Taxon bildet und welche nicht. Als bedeutendste Systeme gelten zu Beginn des 21. Jahrhunderts die klassische und die kladistische Taxonomie. Ihre folgende Gegenüberstellung ist zur Herausarbeitung der Unterschiede idealisiert; in der biologischen Praxis werden oft beide Systeme nebeneinander oder in Kombination verwendet.

Taxa in der klassischen Taxonomie

Die klassische Taxonomie geht auf ein durch den schwedischen Naturforscher Carl von Linné eingeführtes Klassifikationssystem zurück. Danach werden nicht nur alle Lebewesen in eine Hierarchie ineinander verschachtelter Taxa gruppiert, sondern diesen Gruppen wird auch je eine Kategoriestufe zugeordnet. Die unterste Kategorie bildet die Art, die nach den unterschiedlichsten Gesichtspunkten definiert sein kann, bei sich geschlechtlich fortpflanzenden Organismen aber oft durch das Kriterium der Interfertilität festgelegt ist, was bedeutet, dass Mitglieder einer Art unter natürlichen Bedingungen gemeinsame fruchtbare Nachkommen zeugen können. Diese Definition des Artbegriffs ist wie auch ihre Alternativen nicht unproblematisch, eine weitergehende Erläuterung findet sich im Artikel zur Art.

Namensregeln für klassische Taxa

Benannt wird die Art nach einer auf Carl von Linné zurückgehenden Konvention durch einen zweiteiligen (binären) Namen, der aus dem Namen der nächsthöheren Kategorie, der Gattung und dem so genannten Artepithet besteht, das für jeden Gattungsnamen nur einmal, sonst aber durchaus mehrfach auftreten darf. Im Druck werden sowohl der groß geschriebene Gattungsname als auch das klein geschriebene Artepithet kursiv gesetzt. Dies gilt nicht für die übergeordneten Kategorien: So führte Linnaeus neben der Gattung noch Ordnung, Klasse und Reich ein, später wurde dieses System um die zwischen Gattung und Ordnung gelegene Familie und den zwischen Klasse und Reich gelegenen Stamm (in der Zoologie) beziehungsweise die Abteilung (in der Botanik) erweitert. In neuester Zeit wurden noch weitere Rangstufen wie Domäne, Reihe, Kohorte, Legion oder Tribus eingeführt; alle Kategorien können noch durch die Vorsätze Über- beziehungsweise Unter- feiner untergliedert werden. Bei manchen Taxa lässt sich schon durch den Namen feststellen, zu welcher Kategorie sie nach klassischer Auffassung gehören: So bezeichnet zum Beispiel die Endung -aceae in der Botanik eine Familie von Pflanzen, während eine Familie von Tieren in der Zoologie oft die Endung -idae trägt. Die genauen Benennungsregeln sind in der Biologischen Nomenklatur festgeschrieben.

Abgrenzung klassischer Taxa

Die Abgrenzung der Taxa erfolgte bei Linnaeus noch nach rein formellen Kriterien, den so genannten essentiellen Merkmalen. So unterteilte er zum Beispiel die Blütenpflanzen nach der Zahl und Anordnung der Staub- und Fruchtblätter der Blüte, also nach ihren Fortpflanzungsstrukturen. Schon sein Zeitgenosse, der französische Naturforscher Georges Louis Leclerc Graf von Buffon wies jedoch auf die Willkürlichkeit dieses Kriteriums hin. Seit den bahnbrechenden Arbeiten des britischen Geologen und Naturforschers Charles Darwin hat sich stattdessen die Vorstellung durchgesetzt, dass die Einteilung der Lebewesen in Taxa ihre natürlichen Verwandtschaftsverhältnisse berücksichtigen sollte. Allerdings versuchen klassische Systematiken, wie die von dem deutsch-amerikanischen Evolutionsbiologen Ernst Mayr und dem amerikanischen Paläontologen George Gaylord Simpson formulierte so genannte evolutionäre Systematik nicht nur die stammesgeschichtlichen Verzweigungen in die Definition von Taxa einfließen zu lassen, sondern auch weitere Kriterien zur Klassifikation heranzuziehen, um wesentliche evolutionsgeschichtliche Neuerungen abzubilden.
- So stellt Ernst Mayr zum Beispiel in seiner 1990 vorgestellten Klassifikation die einzelligen Protisten (Protista) in einer eigenen Unterdomäne den Mehrzellern (Metabionta) gegenüber, zu denen er Tiere (Animalia), Pflanzen (Plantae) und Pilze (Fungi) zählt, obwohl das Kriterium der Mehrzelligkeit im Laufe der Evolutionsgeschichte sehr wahrscheinlich mehrfach unabhängig voneinander entstanden ist. Entscheidend ist nach Mayr hier aber nicht der nur molekulargenetisch feststellbare Verwandtschaftsgrad, sondern eben auch die äußere Erscheinungsform (Morphologie).
- Das System der bedeutenden Evolutionsbiologin Lynn Margulis (1988, 1996) fasst bewusst entgegen den (wahrscheinlichen) Verwandtschaftsverhältnissen die beiden Gruppen der Archaebakterien (dann Archaebacteria) und echten Bakterien (dann Eubacteria) zu dem Taxon der Prokaryoten (Procaryota) zusammen, weil sie als Organismen, deren Zellen keinen Zellkern besitzen, eine andere Organisationsform haben als die Eukaryoten (Eucaryota), in deren Zellen sich ein solcher befindet. Der Strukturunterschied der mit der „Erfindung“ des Zellkerns einherging, wird damit als bedeutender eingeschätzt als eine möglichst genaue Abbildung des evolutionären Stammbaums.
- Ein weiteres Beispiel lässt sich an den beiden Gruppen der Vögel (Aves) und Reptilien (Reptilia) erkennen. Sie werden in der klassischen Taxonomie als gleichrangige Klassen geführt, obwohl heute unumstritten ist, dass erstere entwicklungsgeschichtlich aus letzteren hervorgegangen sind, was sich auch darin äußert, dass eine Kriechtiergruppe, die Krokodile (Crocodylia), stammesgeschichtlich enger mit den Vögeln verwandt ist als mit anderen Kriechtieren wie zum Beispiel den Schlangen (Serpentes). Die Abtrennung der Vögel als separate Klasse wird jedoch von traditionellen Taxonomen wie Mayr oder Simpson nicht nur mit Verweis auf die bedeutenden Unterschiede in Anatomie und Physiologie, die Vögel heute von den Reptilien trennen, sondern auch in Hinsicht auf den bedeutenden ökologischen Rollenwechsel, der mit der Eroberung des Luftraums verbunden war, als gerechtfertigt angesehen. Die Robben (Pinnipedia), die stammesgeschichtlich von landlebenden Raubtieren (Carnivora) abstammen, aber wegen des extremen Wandels ihres Lebensraumes oft als selbständige Ordnung (Biologie) im gleichen Rang wie die Raubtiere geführt werden, sind ein vergleichbarer Fall. Ordnung (Biologie) Charakteristisch ist in jedem Fall, dass nicht nur das Kriterium der stammesgeschichtlichen Verwandtheit, sondern darüber hinaus auch deutliche morphologische Unterschiede (Diskontinuitäten), ökologische Nischenwechsel, die Komplexität des anatomischen Bauplans oder die Artenvielfalt einer Gruppe zur Abgrenzung eines Taxons herangezogen werden. Daraus folgt, dass Mitglieder eines Taxons durch ihre weitere evolutionäre Entwicklung in ein anderes, gleichrangiges Taxon übertreten können, wie dies zum Beispiel bei den Vögeln geschehen ist, die wie bereits erwähnt nach klassischer Sicht eine gleichrangige Gruppe neben den Kriechtieren bilden. Umgekehrt werden nach rein stammesgeschichtlichen Kriterien gebildete Gruppen, die morphologisch stark voneinander abweichende Untertaxa enthalten, aus klassischer Sicht oft abgelehnt; so wird zum Beispiel die Zusammenfassung der Schwestergruppen der Vögel und Krokodile zu den Archosauriern (Archosauria) als absurd verworfen. Während heutige Anhänger der klassischen Systematik polyphyletische Taxa, also Gruppen, die nicht einmal ihren letzten gemeinsamen Vorfahren einschließen, dennoch meist ablehnen, besteht weitgehende Einigkeit, dass paraphyletische Taxa, Gruppen, die nicht alle Nachkommen ihres letzten gemeinsamen Vorfahrens enthalten, nicht nur erlaubt, sondern durch die trotz neu eingeführter Stufen wie Kohorte oder Legion begrenzte Zahl an Kategorien nahezu umumgänglich sind. Als Vorteil der klassischen Taxon-Definition gilt ihre vergleichsweise Stabilität: Da sich wissenschaftliche Ansichten über die genauen Verwandtschaftsverhältnisse von Lebewesen weitaus schneller wandeln können als Ansichten über die äußere Erscheinungsform, ist eine solche Klassifikation insbesondere für nicht-biologische Anwendungsgebiete wie zum Beispiel in der Land- und Forstwirtschaft von größerer Praxisrelevanz. Als Nachteil gilt jedoch heute die relative Willkürlichkeit bei der Abgrenzung der Taxa: So ist in einem gegebenen Fall ohne genaue Angaben des Taxonomen für Außenstehende oft nicht zu erkennen, welches Kriterium - Diversität, ökologischer Nischenwechsel oder stammesgeschichtliche Verwandtschaft - gerade zur Abgrenzung des Taxons herangezogen wurde. Kritiker der klassischen Taxonomie haben daher in Anlehnung an den englischen Biologen Thomas Henry Huxley ironisch die Einführung eines eigenen Reiches „Psychozoa“ für den Menschen gefordert, das gleichrangig neben den Reichen der Tiere, Pflanzen und Pilze stehen soll, um den bedeutenden ökologischen Nischenwechsel des Menschen beim Verlassen der afrikanischen Savanne auch taxonomisch zur Geltung zu bringen.

Taxa in der kladistischen Taxonomie

Einen gänzlich anderen Weg bei der Abgrenzung von Taxa geht die auf den deutschen Systematiker und Insektenforscher Willi Hennig zurückgehende so genannte kladistische Taxonomie, die sich auf die Ergebnisse der kladistischen Systematik stützt. Ihr Grundprinzip ist, dass nur natürliche Gruppen von Lebewesen benannt werden sollten. Als solche werden nur Fortpflanzungs- und Abstammungsgemeinschaften akzeptiert, also Gruppen von Lebewesen, die einen gemeinsamen Genpool bilden (Arten) oder alle Nachkommen eines gemeinsamen Vorfahren enthalten (monophyletische Taxa, auch Kladen oder Monophyla genannt). Kriterien wie morphologische Diskontinuitäten, Artenvielfalt, etc. werden bewusst nicht zur Abgrenzung eines Taxons herangezogen, die Klassifikation soll damit ausschließlich die natürlichen Verwandtschaftsverhältnisse der Lebewesen getreu abbilden. Unter kladistisch orientierten Taxonomen wird mitunter der Begriff Taxon dann als Synonym für Klade gebraucht, da andere Taxa nicht als gültig akzeptiert werden. Mit der Zurückweisung paraphyletischer Gruppen einher geht die Ablehnung der als Überbleibsel der typologisch orientierten Klassifikation des 18. und 19. Jahrhunderts angesehenen Kategorien. Sie gelten der kladistischen Taxonomie mit Ausnahme der allerdings etwas anders definierten Art als biologisch bedeutungslos, weil in der Natur zwar mitunter eine vertikale, aber keine horizontale Ordnung der Taxa existiert: So ergibt es zwar Sinn, etwa davon zu sprechen, dass die Raubtiere (Carnivora) eine Untergruppe der Säugetiere (Mammalia) sind, die wiederum eine Untergruppe der Wirbeltiere (Vertebrata) bilden. Dagegen wird die Aussage, dass den Entenvögeln (Anatidae) dieselbe Rangstufe zukommt wie den Korbblütengewächsen (Asteraceae) als wissenschaftlich leer betrachtet, die Vergleichbarkeit aus klassischer Sicht gleichrangiger Taxa also bestritten. Um die Tradierung biologischer Informationen nicht zu gefährden, werden die alten Taxonnamen allerdings fast immer beibehalten - ohne die teilweise in diesen Namen enthaltenen Rangstufen zu berücksichtigen. Die Bedeutung der traditionellen Ränge geht in einem kladistischen System auf die so genannten Schwestergruppen (Adelphotaxa) über, darunter versteht man zwei Taxa, die einst durch den Prozess der Artbildung (Speziation) aus einer Stammart hervorgegangen sind, welche nach der Aufspaltung dann gemäß strenger kladistischer Anschauung als erloschen, also nicht mehr existent gilt. Durch weitere Aufspaltungsprozesse (Kladogenese) können sich aus den beiden ursprünglichen Schwesterarten mit der Zeit zwei nun zahlreiche Arten umfassende Gruppen von Lebewesen entwickeln, die aber zu jedem Zeitpunkt im selben Verwandtschaftsverhältnis - eben als Adelphotaxa - zueinander stehen. Phänomene wie horizontale Genübertragung oder insbesondere bei Pflanzen Hybridbildung können dieses Bild komplizieren, von grundsätzlicherer Bedeutung sind diese Prozesse auf lange Sicht zumindest für Organismen mit echtem Zellkern (Eucaryota) jedoch nicht. Beispiele für Schwestertaxa sind zum Beispiel:
- die Krokodile (Crocodylia) und Vögel (Aves), die als Archosaurier (Archosauria) zusammengefasst werden. Nur moderne Lebewesen sind hierbei berücksichtigt, der Begriff Schwestertaxon ändert sich also, je nachdem, ob auch fossile Arten hinzugezogen werden oder nicht.
- die Strahlenflosser (Actinopterygii) und Muskelflosser (Sarcopterygii), allerdings nur, wenn letztere Gruppe auch die Landwirbeltiere (Tetrapoda) umfasst.
- die Gefäßpflanzen (Tracheobionta) und die echten Moose (Bryophyta), allerdings nur, wenn letztere Gruppe nicht die Lebermoose (Marchantiomorpha) und Hornmoose (Anthocerotomorpha) umfasst. Hornmoose Nicht verwechselt werden darf der Begriff der Schwestertaxa mit den ursprünglichen Unterarten, aus denen diese hervorgegangen sind. Während sich zwei Schwestertaxa im idealen Fall allein aus der Merkmalsanalyse heute existierender Lebewesen ableiten lassen, ist ihre Stammart beziehungsweise die beiden Schwesterarten, in die diese sich aufgeteilt hat, heute auch bei bester fossiler Überlieferung in nahezu keinem Fall mehr rekonstruierbar. Ausnahmen bestehen nach strenger Ansicht nur bei einer wissenschaftlich beobachteten Artbildung - ein äußerst seltenes Phänomen. Aus diesem Grunde werden in kladistischen Taxonomien auch niemals Vorfahren beziehungsweise Nachkommen eines Taxons identifiziert: Alle existierenden (monophyletischen) Taxa einer gegebenen Gruppe, die auch fossile Gruppen umschließen kann, werden in ein System aus Schwestertaxa eingeordnet, von denen jedes zwar als logische Zusammenfassung oder Teilmenge, niemals aber als historischer Vorgänger oder Nachfolger anderer Taxa gelten kann. Dargestellt wird dieses System in diagrammatischer Weise in einem so genannten Kladogramm, einem Baumdiagramm, in dem sich jeder Ast idealerweise jeweils in zwei Unteräste aufspaltet. Am Ende der feinsten Verästelung sitzen die (fossilen oder modernen) Arten; die Knotenpunkte werden dagegen nicht benannt, sie stehen für die virtuellen, das heißt nie festgelegten Stammarten. Bei der Benennung von Taxa nach kladistischer Systematik ergeben sich gewisse Schwierigkeiten: Wie bereits erwähnt, führen klassische Taxa oft ihre Rangstufe im Namen mit, daneben ist durch die binäre Nomenklatur für Arten festgeschrieben, dass ein Artname Informationen über seine Gattung enthält. Damit ist es erstens problematisch, zwischen Gattung und Art gelegene Taxa zu benennen, zweitens zieht ein Wechsel in der systematischen Stellung einer Art zugleich auch immer eine Umbenennung nach sich. Deshalb gibt es heute Bestrebungen, die bisherige Nomenklatur zugunsten von neuen auf die kladistische Taxonomie zugeschnittenen Namensregeln zu überwinden. Vom 6. bis zum 9. Juli 2004 fand dazu eine Konferenz in Paris statt, auf der die Internationale Gesellschaft für phylogenetische Nomenklatur (International Society for Phylogenetic Nomenclature (ISPN)) begründet wurde, welche die in internationaler Zusammenarbeit erarbeiteten Regeln des so genannten Phylocode überwachen wird, der nach der Vorstellung seiner Verfasser langfristig alle bisherigen Nomenklatur-Regelwerke wie den botanischen (ICBN) oder zoologischen Nomenklatur-Code (ICZN) ablösen soll. Das Erstpublikationsdatum der Konferenzberichte wird als Startdatum des Phylocode angegeben. Ihren Befürwortern gilt die nach kladistischen Kriterien errichtete Taxonomie als einzige wirklich wissenschaftliche Methode zur Beschreibung, Einteilung und Benennung von Taxa, die im Gegensatz zur traditionellen Klassifikation, die als reines Schubladensystem angesehen wird, echte biologische Information widerspiegelt. Kritikern wie den oben erwähnten Ernst Mayr oder Gaylord Simpson gilt die kladistische Taxonomie dagegen als zu instabil und daher nicht praxistauglich. Wie bereits zu Beginn angesprochen muss die obenstehende Gegenüberstellung der beiden Taxonomien als idealisiert angesehen werden. Während es sich auch in der klassischen Taxonomie zunehmend durchsetzt, nach Möglichkeit monophyletische Taxa zu bilden und nur in Ausnahmefällen auf paraphyletische Gruppen auszuweichen, sind bei kladistisch arbeitenden Taxonomen zumindest auf Art- und Gattungsebene oft noch die klassischen binären Namen in Gebrauch. Ob sich die Phylocode genannte Nomenklatur durchsetzen wird, bleibt zu Beginn des 21. Jahrhunderts abzuwarten. Auch bei höheren Taxa werden paraphyletische Gruppen zumindest informell noch weiterverwendet.

Literatur


- W. Hennig, Grundzüge einer Theorie der Phylogenetischen Systematik, Deutscher Zentralverlag, 1950
- W. Hennig, Phylogenetic Systematics, Univ. of Illinois Press, 1966
- L. Margulis, K. V. Schwartz, Five Kingdoms: an Illustrated Guide to the Phyla of Life on Earth, 3rd Ed., WH Freeman & Co, 1998
- E. Mayr, Cladistic Analysis or Cladistic Classification in E. Mayr, Selected Essays: Evolution and the Diversity of Life, 5th Ed., Harvard Univ. Press, 1997, ISBN 067427105-X
- E. Mayr, Two empires or three?, PNAS, 1998, 95, S. 9720
- K. de Queiroz, J. Gauthier, Phylogeny as a central principle in taxonomy: phylogenetic definitions of taxon names, Systematic Zoology, 1990, 39, S. 307
- G. G. Simpson, Principles of Animal Taxonomy, Columbia University Press, 1961
- C. Woese, Default taxonomy: Ernst Mayr's view of the microbial world, PNAS, 1998, 95, S. 11043

Weblinks


- [http://www.nearctica.com/evolve/simptax.htm Einführung in die biologische Systematik mit Kurzübersicht der verschiedenen Ansätze] (auf Englisch)
- [http://www.emc.maricopa.edu/faculty/farabee/BIOBK/BioBookDivers_class.html Übersicht der beiden wichtigsten Taxonomie-Ansätze] (auf Englisch)
- [http://www.cco.caltech.edu/~brokawc/Bi11/Speciation.html anspruchsvoller Essay über Artbildung, Phylogenie und Taxonomie] (auf Englisch)
- [http://www.pnas.org/cgi/content/full/95/17/9720 Ausführliche Kritik Ernst Mayrs an kladistischer Taxonomie am Beispiel des Drei-Domänen-System der Lebewesen] (auf Englisch)
- [http://www.pnas.org/cgi/content/full/95/19/11043 Ausführliche Antwort Carl Woeses, des Initiators des Drei-Domänen-Systems] (auf Englisch) Kategorie:Taxonomie ja:タクソン

Klasse (Biologie)

Die Klasse ist eine hierarchische Stufe der biologischen Systematik. Sie wird weiter aufgeteilt in Überklasse und Unterklasse. Manchmal wird zusätzlich der Begriff Infraklasse verwendet, wenn ein Taxon zwischen Unterklasse und Überordnung nötig ist. Eine Klasse steht zwischen Stamm und Ordnung. Bei den Wirbeltieren gibt es folgende Klassen:
- Schädellose
- Kieferlose
- Knorpelfische
- Knochenfische
- Amphibien
- Reptilien
- Vögel
- Säugetiere Die Stellung von Chimären, Dinosauriern und Pterosauriern als eigene Klasse oder Mitglieder der Klassen Knorpelfische beziehungsweise Reptilien ist noch nicht endgültig geklärt. Zwischen der Klasse und der Überklasse wird in der Systematik noch die Reihe gestellt. Kategorie:Taxonomie

Fell

Als Fell wird die Behaarung von Säugetieren bezeichnet. Die Fähigkeit vieler Säugetiere jahreszeitlich ihre Behaarung den Witterungsbedingungen anzupassen bezeichnet man als Fellwechsel. Bei vielen Tieren wird ein Oberfell aus Deckhaar und Strichhaar (Granne) und ein Unterfell aus Wollhaar, auch Unterwolle genannt, unterschieden. Das Oberfell schützt das Tier vor direkter Bewitterung mit Regen und Schnee. Das Unterfell schützt das Tier vor Wärme und Kälte. Das abgezogene Fell des getöteten Tieres wird im allgemeinen als Pelz bezeichnet. In der Jägersprache wird das Fell einzelner Tiere mit unterschiedlichen Bezeichnungen benannt (z.B. Schwarte beim Schwarzwild und Dachs oder Decke beim Rotwild).

Tiere mit einem besonderen Fell


- wasserdicht
  - Biber
  - Otter
  - Seehund
  - Robbe
  - Golden Retriever
- andere
  - Stachelschwein
  - Igel

Siehe auch

Wolle, Haar, Haut, Pelz Begriffe aus der Anatomie mit dem Wortbestandteil -fell: Trommelfell, Zwerchfell, Bauchfell, Brustfell Kategorie:Haar Kategorie:Kleidung

Säugen

Das Säugen ist die den Säugetieren den Namen gebende Ernährungsform für den Nachwuchs. Im Gegensatz zu anderen Tierklassen, deren Nachwuchs keine elterliche Nahrungsversorgung erhält (wie Reptilien) oder mit normaler Nahrung gefüttert wird (wie Vögel), verfügen die weiblichen Säugetiere über Milchdrüsen, mit denen sie eine dem Bedarf des Nachwuchses angepasste Nährflüssigkeit, die Milch, produzieren. Mit der Geburt der Jungen beginnen die Milchdrüsen die Produktion der Milch, mit der die Jungen so lange ernährt werden, bis sie in der Lage sind, normale Nahrung aufzunehmen und zu verdauen. Mit dem sich verringernden Milchbedarf der Jungen geht auch die Milchproduktion des Muttertieres zurück. Zum "Säugen" beim Menschen siehe Stillen. Ein heute nicht mehr üblicher Ausdruck für das Säugen eines Jungtieres, üblicherweise eines Ferkels, an seiner Mutter ist das Spänen. Der Wortstamm liegt im mittelhochdeutschen spen (Brust). Davon abgeleitet ist Spanferkel. Kategorie:Ernährung Kategorie:mammalogie

Kloake (Biologie)

Die Kloake ist der gemeinsame Körperausgang für Geschlechtsorgane, Harnleiter und Darm. Sie ist mit Ausnahme der meisten Säugetiere und einiger Reptilien bei den meisten an Land lebenden Wirbeltieren vorhanden. Unter den Säugetieren haben beispielsweise der Biber und einige Tenreks eine sekundäre Kloake, was von einer Anpassung an ein Leben im Wasser herrühren kann. Bei den Kloakentieren (Monotremata) dagegen stellt die Kloake ein ursprüngliches Merkmal dar, das sie von den Beuteltieren und den höheren Säugetieren unterscheidet und ihnen ihren wissenschaftlichen Namen gegeben hat. Auch die Knochenfische haben keine Kloake sondern eine eigene Öffnung für Geschlechtsprodukte. Kategorie:Anatomie ja:総排出腔

Reptilien

Die Kriechtiere (Reptilia) oder Reptilien (von lateinisch "reptilis": kriechend) bilden eine der Wirbeltiere. Als phylogenetisches Taxon oder als geschlossene Abstammungsgruppe müssten sie auch die Vögel beinhalten. In der hier wiedergegebenen klassischen Zusammenstellung sind die Reptilien entsprechend keine natürliche Gruppe, sondern ein paraphyletisches Taxon, weil sie nicht alle Nachkommen ihres letzten gemeinsamen Vorfahrens enthalten. Es sind wechselwarme Tiere, die einen Schwanz, eine Haut mit Hornschuppen und meist vier Beine besitzen, die allerdings bei den Schlangen zurückgebildet wurden. Kriechtiere atmen durch Lungen. Sie legen Eier oder gebären lebende Junge (eierlebendgebärend, ovovivipar) und entwickeln sich direkt, das heißt ohne Larven-Zwischenform.

Abstammungsgeschichte

Entwicklungsgeschichtlich stammen die Reptilien einschließlich der Vögel von amphibischen Landwirbeltieren ab. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist, dass Lurche kein Amnion, das den sich entwickelnden Embryo umgibt, besitzen. Die übrigen Landwirbeltiere werden danach auch als Amnioten bezeichnet. Sie sind im Gegensatz zu den Lurchen zur Fortpflanzung nicht auf Wasserstellen angewiesen, und auch generell besser an trockene Lebensräume angepasst. Die Amniota spalteten sich in zwei Zweige auf, die nach der Anzahl der Schädelöffnungen (außer Auge, Nase, Ohr) als Synapsida (eine Öffnung) und Diapsida (zwei Öffnungen) bezeichnet werden; die Ur-Amniota hatten keine Öffnungen (Anapsida). Die Diapsida wurden zu den Reptilien und Vögeln, mit so bekannten ausgestorbenen Gruppen wie den Dinosauriern (Dinosauria) oder Flugsauriern (Pterosauria). Kontrovers ist die Situation der Schildkröten: Ihr Schädel weist keine Öffnungen auf, was sie als ursprüngliche Anapsida ausweist; einige Paläontologen nehmen allerdings an, dies sei eine spätere Rückentwicklung aus Diapsiden. Auch aufgrund der Lage der Halsarterien und der Ausbildung der Aorta werden sie heute in die Verwandtschaft der Reptilien als Schwestergruppe der Archosauria eingeordnet. Die Fossiliensituation erlaubt derzeit aber keine endgültige Klärung. Die ersten Reptilien treten im frühen Perm (vor etwa 300 Mill. Jahren) auf. Eine erste Aufspaltung fand sehr früh in uneigentliche Reptilien (Parareptilia) und eigentliche Reptilien (Eureptilia) statt. Vertreter der Parareptilia sind die im Trias ausgestorbenen Procolophonida, die oft als nahe Verwandte der Schildkröten angesehen werden, und die schon im Perm ausgestorbenen Pareiasauria. Die Eureptilia spalteten sich in eine Vielzahl von Zweigen auf. Der Zweig der Archosauria umfasst die Krokodile, die Flugsaurier und die Dinosaurier (und damit nach heutigem Verständnis auch die Vögel). Der parallele Zweig der Leptosauria enthält die nahe verwandten Echsen, Schlangen und Doppelschleichen, sowie die etwas entfernteren Brückenechsen. Daneben kennt man noch den ausgestorbenen Zweig der Sauropterygia, große Meeresreptilien.

Systematik

Version 1 (Klassische Version): Schildkröten als Anapsida Dinosaurier In dieser Version stellen die Reptilien eine vollkommen künstliche Gruppe dar (Polyphylum), da sie sowohl die Synapsida (mit den Säugetieren) als auch die Vögel ausschließen:
- "Kriechtiere" ("Reptilia")
  - Anapsida
    - Schildkröten (Testudinata oder Chelonia)
  - Romeriida
    - Diapsida
      - Echsen (Sauria)
      -
- Lepidosauromorpha
      -
  - Schuppenkriechtiere (Squamata)
      -
  - Sphenodontida
      -
    - Schnabelköpfe (Rhynchocephalia) mit der Familie der Brückenechsen (Sphenodontidae)
      -
- Archosauromorpha
      -
  - † Fischsaurier (Ichthyosauria)
      -
  - † Plesiosaurier (Plesiosauria)
      -
  - Archosauria
      -
    - Krokodile (Crocodylomorpha)
      -
      - Alligatoren (Alligatoridae)
      -
      - Echte Krokodile (Crocodylidae)
      -
      - Gaviale (Gavialidae)
      -
    - † Flugsaurier (Pterosauria)
      -
    - † Dinosaurier (Dinosauria) Version 2: Schildkröten als Schwestergruppe der Archosauria, "Reptilien" und Vögel als Sauropsida In diesem Fall bilden die Kriechtiere noch immer keine vollständige natürliche Gruppe, da sie die Vögel ausschließen. Die Alternative Sauropsida, welche die Vögel als Teil der Dinosauria mit umfassen, sind jedoch ein echtes Taxon:
- Sauropsida
  - Lepidosauromorpha
    - Schuppenkriechtiere (Squamata)
    - Schnabelköpfe (Sphenodontida oder Rhynchocephalia) mit den Brückenechsen (Sphenodontidae)
  - Archosauromorpha
    - † Fischsaurier (Ichthyosauria)
    - † Plesiosaurier (Plesiosauria)
    - Schildkröten (Chelonia)
    - Archosauria
      - Krokodile (Crocodylomorpha)
      -
- Alligatoren (Alligatoridae)
      -
- Echte Krokodile (Crocodylidae)
      -
- Gaviale (Gavialidae)
      - † Flugsaurier (Pterosauria)
      - † Dinosaurier (Dinosauria)
      -
- † Vogelbeckensaurier (Ornithischia)
      -
- Echsenbeckensaurier (Saurischia) mit den Vögeln (Aves) Siehe auch: Systematik der Reptilien

Weblinks


- [http://www.naturfilme.com/Reptilien.html Reptilien-Videos] – Videoaufzeichnungen online anschauen
- [http://www.htvoe.at Herpetologische Terraristische Vereinigung Österreich]
- [http://www.dght.de Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde] ! ja:爬虫類 ko:파충류 ms:Reptilia simple:Reptile th:สัตว์เลื้อยคลาน

Schnabeltier

Das Schnabeltier (Ornithorhynchus anatinus) ist ein eierlegendes Säugetier aus Australien. Es ist die einzige Art der Familie der Schnabeltiere (Ornithorhynchidae). Zusammen mit den drei Arten der Ameisenigel bildet es das Taxon der Kloakentiere oder Monotremata, welche sich als basale Gruppe sehr stark von allen anderen Säugetieren unterscheiden.

Merkmale

Allgemeines

Der Körperbau des Schnabeltieres ist flachgedrückt und stromlinienförmig, es hat gewisse Ähnlichkeiten mit einem flach gebauten Biber und hat auch einen vergleichsweise platten Schwanz. Der Körper und der Schwanz sind mit braunem, wasserabweisendem Fell bedeckt. Die Füße tragen vorne und hinten Schwimmhäute. Die Körperlänge der Schnabeltiere beträgt rund 30 bis 40 Zentimeter, der Schwanz, der als Fettspeicher verwendet wird, ist 10 bis 15 Zentimeter lang. Schnabeltiere erreichen ein Gewicht von 1 bis 2,5 Kilogramm, wobei Männchen rund ein Drittel größer als Weibchen werden. Wie bei allen Kloakentieren münden bei ihnen die Ausscheidungs- und Geschlechtsorgane in einer gemeinsamen Öffnung, der „Kloake“. Im Vergleich mit anderen Säugetieren ist die Körpertemperatur des Schnabeltieres mit rund 32 Grad Celsius sehr niedrig. Ob dieses Faktum typisch für eierlegende Säugetiere war oder eine spezielle Anpassung an die Lebensweise darstellt, lässt sich aufgrund der wenigen überlebenden Arten der Kloakentiere kaum beantworten. 2004 entdeckte man eine weitere Besonderheit des Schnabeltiers: sie besitzen zehn Geschlechtschromosomen, die Weibchen zehn X-Chromosomen und die Männchen 5 X- und 5 Y-Chromosomen, während die meisten anderen Säugetierarten (einschließlich des Menschen) nur deren zwei haben (XX bei Weibchen und XY bei Männchen). In manchen Aspekten ähnelt das Chromosomensystem dieser Tiere dem der Vögel, von dem man bisher annahm, dass es sich unabhängig von dem der Säuger entwickelte.

Kopf und Schnabel

Der deutsche Name des Tieres deutet sein auffälligstes Kennzeichen bereits an, den biegsamen, entenähnlichen Schnabel. Erwachsene Schnabeltiere haben keine Zähne, sondern lediglich Hornplatten am Ober- und Unterkiefer, die zum Zermahlen der Nahrung dienen. Bei der Geburt besitzen die Tiere noch dreispitzige Backenzähne, verlieren diese jedoch im Laufe ihrer Entwicklung. Um den Schnabel effektiv nutzen zu können, ist die Kaumuskulatur der Tiere modifiziert. Der Bau des Unterkiefers zeigt noch Ähnlichkeiten mit reptilienartigen Vorfahren. Im Gegensatz zu diesen sind die drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel), die bei Reptilien Teile des Kiefers bilden, allerdings fix im Schädel integriert. Dabei handelt es sich um ein Merkmal, das alle Säugetiere gemeinsam haben. Die Ohröffnung befindet sich jedoch im Gegensatz zu anderen Säugern sehr nahe am Unterkiefer. Auch haben Schnabeltiere im Gegensatz zu allen anderen Säugetieren zusätzliche Knochen im Schultergürtel.

Giftsporne

Männliche Schnabeltiere haben rund 15 Millimeter lange Giftsporne in Knöchelhöhe an den Hinterbeinen. Diese scheiden ein Gift aus, das in Drüsen im Hinterleib produziert wird. Da dieses nur während der Paarungszeit produziert wird, nimmt man an, dass es in erster Linie bei Kämpfen um ein paarungsbereites Weibchen eingesetzt wird. Das Gift ist für Menschen nicht tödlich, verursacht aber schmerzhafte Schwellungen, die mehrere Monate andauern können. Aus der Zeit, als Schnabeltiere noch wegen ihres Felles gejagt wurden, gibt es Berichte, wonach Hunde, die angeschossene Tiere fangen sollten, durch das Gift starben. Wie das Gift auf andere Schnabeltiere wirkt, ist noch nicht bekannt, da es aber nicht zur Verteidigung gegenüber Fressfeinden, sondern bei Rivalenkämpfen eingesetzt wird, ist seine Wirkungsweise vermutlich nicht auf den Tod, sondern auf Verletzung ausgelegt. Weibliche Tiere haben bei der Geburt ebenfalls Sporne, verlieren diese jedoch im ersten Lebensjahr.

Verbreitung

Steigbügel Schnabeltiere bewohnen Süßwassersysteme des östlichen und südöstlichen Australien. Sie bevorzugen saubere stehende oder fließende Gewässer. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die Bundesstaaten Queensland, New South Wales, Victoria und die Insel Tasmanien.

Lebensweise

Allgemeines

Schnabeltiere sind nachtaktive Einzelgänger. Sie können ausgezeichnet schwimmen und verbringen den Großteil ihres Lebens im Wasser. Unter Wasser werden sowohl die Augen als auch die Ohröffnungen geschlossen. Zur Vorwärtsbewegung unter Wasser paddeln sie mit den Vorderbeinen, während die Hinterbeine und der flache Schwanz zur Steuerung dienen. Wenn sie sich nicht im Wasser befinden, ziehen sie sich in Erdbaue zurück. Diese sind meist an Uferböschungen gelegen, der Eingang befindet sich knapp über der Wasseroberfläche und ist durch Pflanzen verborgen. Schnabeltiere graben ihre Baue mit den kräftigen Vorderpfoten, wobei sie die Schwimmhäute nach oben klappen können. Sie haben meist mehrere Baue, die sie abwechselnd benutzen. Bei kaltem Wetter fallen Schnabeltiere manchmal für mehrere Tage in eine Kältestarre, den so genannten Torpor.

Ernährung

Torpor Schnabeltiere sind Fleischfresser, ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Krabben, Insektenlarven und Würmern. Sie suchen ihre Nahrung unter Wasser. Dazu holen sie tief Luft und tauchen unter, auf diese Weise können sie rund zwei Minuten unter Wasser bleiben. Sie finden ihre Nahrung im Wasser schwimmend oder indem sie mit ihrem Schnabel im Schlamm wühlen oder Steine damit umdrehen. Da die Augen unter Wasser geschlossen sind, verwenden sie Elektrorezeptoren und Mechanorezeptoren am Schnabel, um Beute zu finden. Diese Sensoren zählen zu den wirksamsten unter allen Säugetieren. Mit Hilfe ihrer Elektrorezeptoren können sie die schwachen elektrischen Felder fühlen, die bei der Muskelbewegung der Beutetiere entstehen; die Tastkörperchen reagieren auf feinste Wellenbewegungen. Da beide Wahrnehmungsfunktionen eng aneinander gekoppelt sind, können sie anhand des Zeitunterschieds zwischen elektrischem und taktilem Impuls den Aufenthaltsort und die Entfernung von Beutetieren genau berechnen und zielgenau zuschnappen. Damit haben sie ein effizientes Suchsystem entwickelt, dessen genaue Einzelheiten allerdings bis heute nicht bekannt sind. Haben sie Nahrung gefunden, wird diese in Backentaschen verstaut und gefressen, nachdem die Tiere zur Oberfläche zurückgekehrt sind.

Fortpflanzung

Außerhalb der Paarungszeit leben Schnabeltiere einzelgängerisch. Zur Paarung, die im australischen Spätwinter oder Frühling (Juli bis Oktober) erfolgt, nähert sich das Weibchen dem Männchen an und streift immer wieder sein Fell, danach packt das Männchen mit seinem Schnabel den Schwanz des Weibchens und sie schwimmen im Kreis. Die Paarung erfolgt ebenfalls im Wasser, indem das Männchen seinen Penis in die weibliche Kloake einführt. Zur Aufzucht der Jungen gräbt das Weibchen größere, manchmal bis zu 20 Meter lange Erdbaue und kleidet das Ende mit Blättern aus, die sie mit dem Schwanz transportiert. Rund 12 bis 14 Tage nach der Begattung legt das Weibchen meist drei weiße Eier. Mit ihrem großen Dotter und der gummiartigen Schale ähneln diese mehr Reptilien- als Vogeleiern. Die Eier werden rund 10 Tage lang bebrütet; die Jungtiere kommen nackt und mit geschlossenen Augen zur Welt und sind bei der Geburt rund 25 Millimeter groß. Nach dem Schlüpfen werden sie mit Muttermilch ernährt, die von Drüsen im Brustbereich, dem Milchfeld, abgesondert wird. Da die Weibchen keine Zitzen haben, lecken die Jungen die Milch aus dem Fell der Mutter. Das Männchen beteiligt sich nicht an der Aufzucht der Jungen. Die Jungtiere bleiben etwa fünf Monate im mütterlichen Bau, werden jedoch auch danach noch von der Mutter ernährt. Schnabeltiere erreichen die Geschlechtsreife mit rund 2 Jahren. Das höchste bekannte Alter eines Exemplars in Gefangenschaft betrug 17 Jahre, die Lebenserwartung in der freien Natur ist nicht bekannt, Schätzungen belaufen sich auf 5 bis 8 Jahre.

Natürliche Feinde

Zu den natürlichen Feinden der Schnabeltiere gehören der Murray-Dorsch (der mit 1,8 Meter Länge größte Süßwasserfisch Australiens), große Greifvögel, der Buntwaran und die Teppichpython; auch eingeschleppte Raubtiere wie Füchse machen gelegentlich Jagd auf sie. Die Australische Schwimmratte, die in Körperbau und Lebensweise dem Schnabeltier ähnelt, bezieht manchmal deren Baue und verzehrt Jungtiere.

Schnabeltiere und Menschen

Nach einer Legende der Aborigines sind Schnabeltiere die Nachkommen eines Entenweibchens und eines Schwimmrattenmännchens. Von der Mutter haben sie demnach den Schnabel und die Schwimmhäute an den Füßen, vom Vater das braune Fell. Im späten 18. Jahrhundert sahen die ersten europäischen Siedler diese Tiere, und als sie ein Fell nach London schickten, hielt man es dort zunächst für einen Scherz, für das Werk eines geschickten Präparators. Die erste wissenschaftliche Beschreibung der Tiere stammt aus dem Jahr 1799 von George Shaw in London und stützte sich auf einen Balg und ein paar Zeichnungen, die er vermutlich von Captain John Hunter von der Königlichen Marine nach England geschickt bekam, der als Gouverneur der Strafkolonie in New South Wales lebte. Dennoch war Shaws Erstbeschreibung erstaunlich zutreffend. Später begannen sich Biologen für das seltsame Tier zu interessieren. Die Erforschung der Schnabeltiere war aufgrund der Tatsache, dass sie sich nur äußerst schwer in menschlicher Gefangenschaft halten ließen, erschwert, und erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts kamen die Details über die Fortpflanzung ans Licht. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden sie wegen ihres Felles gejagt. In manchen Regionen Australiens, zum Beispiel in Südaustralien sind sie verschwunden, in anderen durch menschliche Besiedlung und Flussregulierungen selten geworden. Sie bevorzugen sauberes Wasser und meiden menschliche Nähe generell; dennoch findet man sie manchmal bei menschlichen Siedlungen, während sie in Gewässern, die ihnen eigentlich behagen müssten, nicht vorkommen. Schnabeltiere sind heute vollständig geschützt; aufgrund ihrer Ansprüche an den Lebensraum werden sie in Australien als "häufig, aber gefährdet" ("common, but vulnerable") eingestuft. Privatpersonen dürfen keine Schnabeltiere halten, Tiergärten brauchen eine Sondergenehmigung dazu. Die Haltung dieser Tiere wird aufgrund der hohen Ansprüche an den Lebensraum als schwierig eingestuft, im 19. Jahrhundert gingen noch fast alle in menschlicher Gefangenschaft gehaltenen Tiere ein. Erst in jüngerer Zeit gelang es, die notwendigen Erkenntnissen für eine erfolgreiche Haltung zu gewinnen. Von diesen Schwierigkeiten zeugt auch die Tatsache, dass es - von einem Einzelfall 1944 abgesehen - erst in den 1990er-Jahren möglich wurde, die Tiere in Gefangenschaft zu züchten. Der Export lebender Tiere aus Australien ist gänzlich verboten. Dazu muss allerdings bemerkt werden, dass es sich hier um australisches Recht handelt und diese Art in Deutschland unter keine Vorschrift bzw. Gesetzgebung fällt. Das Schnabeltier gilt als Inbegriff des biologischen Kuriosum, was zum Beispiel im Buchtitel „Kant und das Schnabeltier“ von Umberto Eco zum Ausdruck kommt.

Systematik und Entwicklungsgeschichte

Umberto Eco Das Schnabeltier gilt als ein lebendes Fossil, eine Bezeichnung, die aufgrund der langen Entwicklungsgeschichte der Tiere und ihrer mannigfaltigen Anpassungen sehr unglücklich ist. Anders als die modernen Säugetiere und die Beutelsäuger legen die Kloakentiere allerdings Eier, eines der Merkmale, das sie von ihren Vorfahren geerbt haben und das ihnen die Bezeichnung „Ursäuger“ eingebracht hat. Schnabeltiere und ihre Verwandten, die Ameisenigel, teilen allerdings die drei typischen Säugetiermerkmale: erstens die drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel), zweitens das Vorhandensein von Haaren und als drittes die Tatsache, dass sie ihren Nachwuchs mit Milch säugen. Obwohl die frühesten Säugetiere wahrscheinlich eierlegend waren, sind die Schnabeltiere nicht die Vorfahren der Beutel- oder Plazentatiere, sondern stellen einen spezialisierten Seitenzweig dar. Die fossile Geschichte der Schnabeltierverwandten ist dürftig. Die ältesten bekannten Fossilien stammen aus der Kreidezeit und wurden im Lightning-Ridge-Gebirge in New South Wales gefunden. Es handelt sich um Kieferknochen zweier Gattungen, Steropodon und Kollikodon, die wohl nahe Verwandte des modernen Schnabeltiers darstellen. Die Kieferknochen trugen noch Backenzähne, waren aber von der Größe her mit denen der heutigen Tiere vergleichbar. Auch eine Gattung aus dem Miozän, Obdurodon, hatte noch Zähne. In Argentinien wurden Zähne aus der Periode des Paläozän gefunden, die denen Obdurodons ähneln und sehr eindeutig als Zähne einer nahe verwandten Art erkennbar sind; sie waren allerdings doppelt so groß. Das zugehörige Tier wurde Monotrematum sudamericanum genannt, es ist bislang der einzige außeraustralische Fund eines Schnabeltierverwandten. Von der Gattung Ornithorhynchus sind die ältesten Funde rund 4,5 Millionen Jahre alt, vom heutigen Schnabeltier fand man bis jetzt keine Hinweise, die älter als 100.000 Jahre sind.

Literatur


- Augee, M. L.: Platypus and Echidnas, The Royal Zoological Society of New South Wales 1992
- Grzimek, Bernhard: Grzimeks Tierleben, Band 10 (Säugetiere 1), ISBN 3828916031
- Moyal, Ann: Platypus: The Extraordinary Story of How a Curious Creature Baffled the World. 226 S., Smithsonian Books 2001, ISBN 1560989777
- Strahan, Ronald: Mammals of Australia. 756 S., Smithsonian Books 1996, ISBN 1560986735

Weblinks


- [http://www.gifte.de/Gifttiere/kasuistik_schnabeltier.htm Medizinischer Bericht eines Schnabeltierstichs]
- [http://www.kingsnake.com/toxinology/old/mammals/platypus.html Das Gift des Schnabeltiers (Englisch)]
- [http://www.nature.com/news/2004/041025/full/041025-1.html Bericht über die Geschlechtschromosomen (Englisch)]
- [http://animaldiversity.ummz.umich.edu/site/resources/Grzimek_mammals/Ornithorhynchidae/v12_id12_con_spur.jpg/view.html Schematische Darstellung der Giftsporne] Kategorie:Säugetiere ja:カモノハシ ms:Platypus simple:Platypus th:ตุ่นปากเป็ด

Ameisenigel

Die Ameisenigel (Tachyglossidae), auch als Schnabeligel oder Echidna bezeichnet, sind eine Familie eierlegender Säugetiere. Zusammen mit dem Schnabeltier, dem einzigen anderen Säugetier mit dieser Art der Fortpflanzung, bilden sie die Unterklasse der Ursäuger (Prototheria). Die Familie wird in zwei Gattungen mit insgesamt drei Arten unterteilt, den Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus) und die zwei Arten der Langschnabeligel (Zaglossus).

Verbreitung

Ameisenigel kommen in Australien und auf Neuguinea vor. Der Kurzschnabeligel ist dabei über weite Teile Australiens - einschließlich seiner vorgelagerten Inseln wie bspw. Tasmanien - und Neuguineas verbreitet. Der Langschnabeligel hingegen ist auf Neuguinea endemisch.

Beschreibung

Körperbau und Fell

endemisch Mit dem gedrungenen Körper sowie den Stacheln auf dem Rücken und an der Seite ähneln die Ameisenigel den Igeln, mit denen sie aber nicht näher verwandt sind. Sie haben sich zu jenen lediglich konvergent entwickelt. Die Stacheln sind hohl und bis zu 60 Millimeter lang. Sie sind meist gelblich gefärbt, wobei die Spitze schwarz sein kann. Das übrige Fell ist bräunlich oder schwarz gefärbt. Manchmal sind die Haare so lang, dass die Stacheln darunter verborgen sind. Die Länge der Haare hängt mit dem Klima im jeweiligen Lebensraum der Tiere zusammen. In kälterer Umgebung sind sie länger und dichter als in wärmerer. Bei den Langschnabeligeln sind die Stacheln generell kürzer, stumpfer und schütterer verteilt. Mit einer Kopfrumpflänge von 35 bis 53 Zentimetern und einem Gewicht von 2,5 bis sieben Kilogramm ist der Kurzschnabeligel die kleinere Art, während die Langschnabeligel eine Kopfrumpflänge von 45 bis 77 Zentimeter und ein Gewicht von bis zu 16 Kilogramm erreichen können. Männchen sind in der Regel etwas größer und schwerer als Weibchen. Der kurze, stummelförmige Schwanz ist an der Oberseite mit Stacheln bedeckt, an der Unterseite nackt. Wie bei allen Kloakentieren münden die Ausscheidungs- und Geschlechtsorgane in einer gemeinsamen Öffnung, der Kloake. Die Körpertemperatur beträgt durchschnittlich 31° bis 33° Celsius, vergleichbar der des Schnabeltieres und ist damit deutlich niedriger als bei den meisten anderen Säugetierarten. Auch können Ameisenigel ihre Körpertemperatur nicht in dem Ausmaß regulieren wie andere Säuger.

Gliedmaßen

Ameisenigel haben kurze, stämmige Gliedmaßen. Diese enden jeweils in fünf Zehen, von denen - je nach Gattung - entweder alle fünf (beim Kurzschnabeligel) oder nur die mittleren drei (beim Langschnabeligel) Grabkrallen tragen. Die zweite Zehe der Hinterfüße ist verlängert und dient der Fellpflege. Ähnlich dem Schnabeltier haben die meisten männlichen Ameisenigel am Knöchel der Hinterbeine einen Stachel. Während noch alle neugeborenen Tiere diesen Stachel haben, verlieren ihn die meisten Weibchen, aber auch einige Männchen im Zuge ihrer Entwicklung. Im Gegensatz zu den Schnabeltieren beinhaltet dieser Stachel jedoch kein Gift. Während der Paarungszeit sondern die Stachel der Männchen ein Sekret ab, dessen Funktion jedoch noch nicht bekannt ist.

Kopf und Sinnesorgane

Der kleine Kopf des Ameisenigels sitzt auf einem sehr kurzen Nacken und mündet in einer langen, röhrenförmigen Schnauze. Bei den Langschnabeligeln ist diese länger und nach unten gebogen, bei den Kurzschnabeligeln gerade. Die Mundöffnung ist sehr klein, gerade groß genug, um die bis zu 18 Zentimeter lange Zunge herausstrecken zu können. Ameisenigel haben keine Zähne; statt dessen verfügen sie über Hornplatten am hinteren Teil der Zunge und am Gaumen, mit denen die Nahrung zerkleinert wird. Ihr Geruchssinn ist gut entwickelt. Die Nasenlöcher sind an der Spitze der Schnauze knapp über dem Mund platziert. Eine Gemeinsamkeit mit dem Schnabeltier ist ein spezielles Wahrnehmungssystem in der Schnauze. Feinfühlige Elektrorezeptoren reagieren auf die schwachen Signale, welche die Muskelbewegungen ihrer Beutetiere erzeugen und dienen dazu, die Beute zu lokalisieren und zu fangen. Ameisenigel haben keine Ohrmuscheln, die Augen sind klein und sitzen relativ weit vorne am Kopf.

Lebensweise

Viele der nachfolgenden Angaben sind lediglich vom Kurzschnabeligel bekannt, der weitaus besser erforscht ist als die Langschnabeligel Neuguineas. Man nimmt aber an, dass deren Lebensweise in den meisten Fällen mit ihren australischen Verwandten übereinstimmt.

Lebensraum

Ameisenigel stellen keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum. Sie können überall zu finden sein, wo es genügend Nahrung für sie gibt. So leben sie sowohl in den Wüstenregionen im Inneren Australiens, als auch in Waldgebieten und Parklandschaften. In den Gebirgsregionen Neuguineas sind sie ebenso bis in 4 000 Meter Seehöhe anzutreffen. Ameisenigel benötigen nicht unbedingt Bäume in ihrem Lebensraum; als Ruheplätze können ihnen neben hohlen Baumstämmen auch Felsspalten oder kleine Erdhöhlen dienen.

Fortbewegung

Ameisenigel sind Bodenbewohner. Ihre Fortbewegung ist normalerweise durch eine langsame, schleppende Gangart gekennzeichnet. Die Füße sind beim Gehen durchgestreckt, sodass der Bauch relativ weit vom Boden entfernt ist. Die Zehen der Hinterbeine sind dabei nach außen gedreht. Mit ihrer Gangart kommen sie auch in zerklüftetem, felsigem Gelände gut zurecht. Darüberhinaus können sie sehr gut schwimmen.

Aktivitätszeiten und Sozialverhalten

Die Aktivitätszeiten der Ameisenigel hängen zu einem gewissen Grad vom Lebensraum sowie von der Jahreszeit ab. Für gewöhnlich sind sie dämmerungsaktive Tiere, die vorwiegend am frühen Morgen und am frühen Abend auf Nahrungssuche gehen. In heißen Regionen und im Sommer verlagert sich ihre Aktivität mehr Richtung Nacht, in kühleren Gegenden sowie im Winter mehr Richtung Tag. Aufgrund der mangelnden Fähigkeit die Körpertemperatur regulieren zu können, sind sie nur bis maximal 32° Celsius Außentemperatur aktiv. Bei sehr kühlen Temperaturen verfallen sie in einen Torpor, eine Kältestarre. Das Eintreten des Torpors hängt dabei weniger von der Außentemperatur als vom vorhandenen Nahrungsangebot ab. Sofern es genügend Beutetiere gibt, tritt dieser nicht ein. In den Bergen des südlichen Australiens verfallen Ameisenigel in einen winterschlafähnlichen Zustand, bei dem die Körpertemperatur auf knapp 4° C sinkt. Sie verlieren dabei pro Monat zwei bis drei Prozent ihres Gewichtes. Ameisenigel leben außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch, sind standorttreu, kennen aber kein Revierverhalten. Sie bewohnen Gebiete, die zwischen 25 und 200 Hektar groß sind und sich des öfteren überlappen.

Ernährung

Die Ameisenigel sind Fleischfresser, wobei die Größe ihrer Beutetiere durch die kleine Mundöffnung limitiert wird. Kurzschnabeligel verzehren in erster Linie Ameisen und Termiten, während die Nahrung der Langschnabeligel sich zum überwiegenden Teil aus Regenwürmern zusammensetzt. Mit ihrer Schnauze brechen sie morsches Holz auf, durchwühlen gefallenes Laub und anderes Pflanzenmaterial am Boden oder stochern in Felsspalten. Die oben erwähnten Elektrorezeptoren dienen zur Lokalisierung der Beute, wobei deren genaue Funktionsweise noch nicht bekannt ist. Manchmal brechen sie mit ihren Krallen auch Termitenbauten auf, um an Beute zu gelangen. Mit ihrer langen klebrigen Zunge werden die Beutetiere in den Mund befördert und dann zerkaut.

Fressfeinde und Abwehrverhalten

Sofern sie sich bedroht fühlen, graben sie sich sehr schnell in die Erde ein. Sie verkeilen sich anschließend mit den kräftigen Gliedmaßen und lassen nur die stachelige Oberseite aus dem Boden ragen. Für den Fall, dass der Boden zu hart ist, können sie sich wie die Stacheligel auch zu einer Stachelkugel zusammenrollen. Diese Verteidigungstaktik funktioniert so gut, dass Ameisenigel wenig natürliche Feinde haben. Jungtiere fallen manchmal Buntwaranen zum Opfer, ausgewachsene Tiere werden dagegen manchmal von eingeschleppten Arten wie dem Dingo oder dem Rotfuchs gejagt.

Fortpflanzung

Paarungsverhalten

Die Paarungszeit liegt meist im Juli und August. In dieser Zeit kommt es zu einem merkwürdigen Verhalten: die sonst einzelgängerischen Tiere bilden Karawanen, wobei das vorderste Tier ein Weibchen ist, welchem dahinter bis zu zehn Männchen folgen. Auf diese Weise gehen die Männchen dem Weibchen nach und stupsen es immer wieder mit der Schnauze an. Vom Weibchen ausgesandte Pheromone sind dabei den Männchen Signal für dessen Fruchtbarkeit. Manchmal kommt es aber auch vor, dass Männchen einem nicht paarungsbereiten Weibchen nachgehen. In diesem Fall ignoriert es die Männchen oder rollt sich bei hartnäckigen Verfolgern sogar zu einer Stachelkugel zusammen, sodass die Männchen sich schließlich eine andere Partnerin suchen müssen, der sie nachlaufen können. Diese Verfolgung kann sich über Tage, manchmal sogar Wochen hinziehen. Sie ist sehr anstrengend für die Männchen, die dabei bis zu 25% ihres Körpergewichtes verlieren können. Ist das Weibchen paarungsbereit, legt es sich flach auf den Bauch, den Kopf oft im Gebüsch verborgen. Die Männchen beginnen, hinter dem Weibchen beziehungsweise links und rechts von ihm zu graben. Dieser "Paarungsgraben" kann, wenn viele Männchen beteiligt sind, einem regelrechten Ring um das Weibchen bilden. Danach beginnen die Männchen, sich gegenseitig mit den Köpfen aus dem Graben zu drängen, bis nur mehr eines übrig bleibt. Dieses legt sich dann seitlich hinter das Weibchen in den Paarungsgraben. Es streichelt nun Stacheln und Fell des Weibchens und versucht dessen Schwanz mit den Hinterbeinen anzuheben. Dieses Vorspiel kann bis zu vier Stunden dauern. Lässt sich das Weibchen schließlich hochheben, führt das Männchen seinen Penis in die Kloake ein. Der Geschlechtsakt kann bis zu 180 Minuten dauern. Unmittelbar danach gehen beide Tiere wieder getrennte Wege. Während das Weibchen sich nur einmal in der Saison paart, schließt sich das Männchen mitunter wieder einer Karawane hinter einem anderen Weibchen an.

Eiablage und Jungenaufzucht

Pheromon Rund drei bis vier Wochen nach der Paarung legt das Weibchen meist ein Ei, selten auch zwei oder drei. Beim Langschnabeligel gibt es unterschiedliche Berichte, während manche Quellen von meist einem Ei sprechen, berichten andere von vier bis sechs. Die Eier der Ameisenigel sind ungefähr weintraubengroß und cremefarben, sie haben eine ledrige Schale und einen großen Dotter. Bevor es das Ei legt, bildet das Weibchen einen Beutel auf seinem Bauch aus. Unmittelbar nach dem Legen befördert es das Ei in diesen Beutel, wo es zehn Tage bebrütet wird. Mit Hilfe eines Eizahnes durchbricht der Schlüpfling die Schale. Jungtiere sind beim Schlüpfen rund 15 Millimeter lang, nackt und blind und ähneln in ihrem embryoartigen Zustand neugeborenen Beuteltieren. Im Beutel befinden sich Milchdrüsen, an denen das Jungtier saugt. Es bleibt rund acht Wochen im Beutel, danach wachsen seine Stacheln und es muss diesen verlassen. Zu diesem Zeitpunkt ist es rund 15 bis 21 Zentimeter groß. Die Mutter legt es in einem gut verborgenen Bau ab und kehrt nur alle fünf bis zehn Tage zurück, um es zu säugen. Nach zehn Wochen öffnen sich die Augen, nach fünf bis sechs Monaten unternimmt das Jungtier erste Ausflüge aus dem Bau. Mit sieben Monaten wird es entwöhnt und mit rund einem Jahr verlässt es seine Mutter. Die Geschlechtsreife tritt mit rund ein bis zwei Jahren ein. Die Mutter ist zwei Jahre nach der Geburt erneut paarungsbereit.

Lebenserwartung

Ameisenigel sind relativ langlebige Tiere, freilebende Exemplare können über 20 Jahre alt werden. Das höchste bekannte Alter eines Tieres in menschlicher Obhut betrug über 50 Jahre.

Systematik und Entwicklungsgeschichte

Beuteltieren Ameisenigel und ihre Verwandten, die Schnabeltiere, werden zu den Säugetieren gerechnet, da Säugetiere nicht über ihre Gebärweise definiert werden, sondern anhand einiger anderer Merkmale, die die Ameisenigel alle aufweisen. Dazu gehören zum Beispiel die drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel), das Vorhandensein von Haaren und das Säugen des Nachwuchses mit Milch. Obwohl die frühesten Säugetiere wahrscheinlich eierlegend waren, sind die Kloakentiere nicht die Vorfahren der Beutel- oder Plazentatiere, sondern stellen einen spezialisierten Seitenzweig dar. Die fossile Geschichte der Vorfahren der Ameisenigel ist sehr dürftig. Die ältesten bekannten Fossilienfunde stammen aus dem Zeitalter des Pliozän aus Australien und ähneln im Körperbau bereits den rezenten Arten. Die Entwicklungsgeschichte der Tiere ist jedoch zweifelsohne älter, man vermutet, dass sie sich in der Kreidezeit entwickelten. Schädelüberreste der Art Zaglossus ramsayi, die manchmal in der Gattung Megalibgwilia eingeordnet wird, stammen aus dem Pliozän aus New South Wales, man schätzt die Länge des Tieres auf rund 75 Zentimeter. Zaglossus hacketti war der bislang größte gefundene Ameisenigel. Er wurde rund einen Meter lang und 30 Kilogramm schwer und lebte im Pleistozän in Westaustralien bis vor etwa 15.000 Jahren. Außerhalb Australiens und Neuguineas gibt es keine Belege für die Existenz von Ameisenigeln. Die Familie wird in zwei Gattungen unterteilt, die Kurzschnabeligel (Tachyglossus) und die Langschnabeligel (Zaglossus). Früher unterteilte man beide Gattungen in mehrere Arten, später fasste man diese als Unterarten jeweils einer Art zusammen. 1998 allerdings wurde im Bergland von Neuguinea mit Zaglossus attenboroughi eine neue Art entdeckt, womit heute drei Arten von Ameisenigeln bekannt sind. Manche Forscher gehen allerdings von noch mehr Arten aus, näheres siehe in den jeweiligen Gattungsartikeln.

Ameisenigel und Menschen

Aborigines und Papua

Die Ureinwohner Australiens und Neuguineas jagten die Ameisenigel ihres Fleisches wegen, wobei insbesondere der Langschnabeligel in Neuguinea als Delikatesse gilt. In manchen Regionen Australiens haben die Aborigines die Stacheln als Zierde verwendet, beispielsweise auf Speeren. Mehrere Märchen der Aborigines erzählen, wie das Tier zu seinen Stacheln gekommen ist. In einer Geschichte wurde es von den anderen Tieren als Strafe für das Verheimlichen eines Wasserloches während der Trockenzeit in ein Dornengestrüpp geworfen. Die Dornen blieben in seinem Rücken und sorgten für das Stachelkleid des Tieres.

Nach Ankunft der Europäer

William Bligh, der bekannte Kapitän der Bounty und späterer Gouverneur von New South Wales, fertigte um 1790 eine akribische Zeichnung eines Tieres an, bevor er es verspeiste. Diese gilt als die früheste europäische Darstellung eines Ameisenigels. Die erste detaillierte Beschreibung des Kurzschnabeligels erschien 1792 in Großbritannien. Von George Shaw stammt die wissenschaftliche Erstbeschreibung des Kurzschabeligels (wie auch die des Schnabeltieres), sein vorgeschlagener Name Myrmecophaga aculeata ist ein Anzeichen dafür, dass er das Tier noch den Ameisenbären (Myrmecophagidae) zuordnete. Echidna, der englische Name der Tiere, geht zurück auf die griechische Sagenfigur Echidna, die halb Mensch und halb Schlange war. Wie die Sagenfigur, erweckt auch der Ameisenigel mit der aus Europa vertraute Gestalt des Igels und seiner merkwürdigen Schnauze den Eindruck eines zusammengesetzten Wesens. Erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte man die außergewöhnliche Fortpflanzungsweise dieser Tiere, viele Details über das Paarungsverhalten wurden erst in den 80er- und 90er-Jahren des 20. Jahrhundert entdeckt. Als nationales Symboltier Australiens spielt der Ameisenigel im Gegensatz etwa zu Kängurus oder dem Koala eine untergeordnete Rolle. Allerdings war bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney Millie, der Ameisenigel eines der drei Maskottchen.

Bedrohung

In Australien zählt der Kurzschnabeligel heute zu den am weitesten verbreiteten einheimischen Säugetieren. Die Gründe dafür liegen einerseits in ihrer Anspruchslosigkeit an den Lebensraum, an der reichlich vorhandenen Nahrung und der Eigenschaft, zu Zeiten des Nahrungsmangels in einen Torpor verfallen zu können. Andere Gründe sind die gute Verteidigungstaktik gegenüber Fressfeinden und die Tatsache, dass sie nie von den Europäern kommerziell gejagt oder verfolgt wurden. Zwar fällt, ähnlich wie bei den Igeln in Europa, eine erhebliche Anzahl dem Straßenverkehr zum Opfer, dennoch sind sie häufig und nicht bedroht. Besorgniserregender ist die Situation der Arten auf Neuguinea. Durch Waldrodungen wird ihr Lebensraum immer weiter eingeschränkt. Hinzu kommt, dass das Fleisch des Langschnabeligels als Delikatesse gilt. Speziell trainierte Hunde jagen die Tiere und bringen sie zur Strecke. Die International Union for Conservation of Nature listet den Langschnabeligel als bedroht (endangered).

Literatur


- Augee, M. L.: Echidnas of Australia and New Guinea, University of New South Wales Press (UNSW Press) 1997, ISBN 0868400467
- Grzimek, Bernhard: Grzimeks Tierleben, Band 10 (Säugetiere 1), ISBN 3828916031
- Long, John A. u.a.: Prehistoric Mammals of Australia and New Guinea, Johns Hopkins University Press 2003, ISBN 0801872235
- Nowak, Ronald: Walker’s Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999, ISBN 0801857899
- Rismiller, Peggy: The Echidna. Australia's Enigma, Hugh Lauter Levin Associates 1999, ISBN 088363788X

Weblinks


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- [http://abc.net.au/science/scribblygum/June2000/gallery.htm Bildergalerie 1 - auch von der Paarung]
- [http://www.echidnaenclave.net/Echidnas/Epage11.htm Bildergalerie 2 - Mit Detailaufnahmen von Körperteilen]
- [http://www.isidore-of-seville.com/echidnas/index.html Englischsprachige Seite mit einer Reihe weiterführender Links]
- [http://www.echidnaenclave.net/Echidnas/Epage10.htm Mehrere Aborigines-Märchen über Ameisenigel (englisch)] Kategorie:Säugetiere ja:ハリモグラ ko:가시두더지 th:อีคิดนา

Langschnabeligel

Die Langschnabeligel, auch Langschnabel-Ameisenigel (Zaglossus) sind eine Gattung eierlegender Säugetiere aus der Familie der Ameisenigel (Tachyglossidae). Über die Anzahl der Arten herrscht Unklarheit, man geht heute von zwei oder drei Arten aus. Langschnabeligel sind auf Neuguinea endemisch, wo sie vor allem Waldgebiete bewohnen, aber auch in Hochgebirgslagen bis 4000 Meter Seehöhe vorkommen können. Langschnabeligel erreichen eine Kopfrumpflänge von 45 bis 77 Zentimeter und ein Gewicht von 5 bis 16 Kilogramm. Im Gegensatz zum Kurzschnabeligel sind ihre Stacheln kürzer, spärlicher vorhanden und teilweise im Fell verborgen. Auch ist die röhrenförmige Schnauze länger und deutlich nach unten gebogen. Das Fell ist braun oder schwarz. Diese Tiere sind dämmerungs- oder nachtaktiv und leben außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch. Ihre Nahrung besteht in erster Linie aus Regenwürmern, die sie mit ihrer langen, klebrigen Zunge aufnehmen, wobei ihnen kleine Widerhaken an der Zunge helfen. Über die Fortpflanzung dieser Tiere ist wenig bekannt, man vermutet, dass sie in den meisten Aspekten mit der des Kurzschnabeligels übereinstimmt. Durch Waldrodungen wird ihr Lebensraum immer weiter eingeschränkt. Hinzu kommt, dass das Fleisch der Langschnabeligel als Delikatesse gilt. Speziell trainierte Hunde jagen die Tiere und bringen sie zur Strecke. Die International Union for Conservation of Nature listet sie als bedroht (endangered). Über die Anzahl der Arten herrscht Unklarheit. Früher ging man von mehreren Arten aus, später fasste man alle zu einer Art, dem Langschnabeligel (Zaglossus bruijni) zusammen. Als Unterarten sind Z. b. bartoni, Z. b. bubuensis und Z. b. brujini anerkannt, wobei Z. b. bartoni manchmal als eigene Art gelistet wird. 1998 wurde mit Zaglossus attenboroughi eine neue, kleinere Art in den Cyclops-Bergen Neuguineas entdeckt. Eine Reihe von Zaglossus-Arten Australiens sind ausgestorben, darunter der einen Meter lange Z. hacketti, der bis vor 15.000 Jahren in Westaustralien gelebt hat. Für detaillierte Informationen siehe Ameisenigel. Kategorie:Säugetiere

Australien

Australien (engl. und lat.: Australia = Land im Süden gelegen) ist flächenmäßig der sechstgrößte Staat der Erde und nimmt die Hauptlandmasse des Kontinents Australien ein. Australien wird auch als Down Under oder schlicht Oz (Abk. von Australia) bezeichnet . Australien liegt auf der Südhalbkugel nordwestlich von Neuseeland und südlich von Indonesien, Timor-Leste, West-Papua und Papua-Neuguinea. Es umfasst die gesamte Hauptlandmasse des Kontinents Australien sowie die vorgelagerte Insel Tasmanien und einige kleinere Inseln. Darüber hinaus gehören noch die pazifische Norfolkinsel, die Kokosinseln, die Weihnachtsinsel und die Ashmore- und Cartier-Inseln im Indischen Ozean sowie das australische Antarktisterritorium und die subantarktischen Inseln Macquarieinsel und Heard- und McDonald-Inseln als „Außengebiete“ zum Australischen Bund.

Geographie

Hauptartikel: Geographie Australiens Die Gesamtfläche des Landes umfasst etwa 7,7 Millionen Quadratkilometer. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 3.700 km, die West-Ost-Ausdehnung ungefähr 4.000 km. Geographisch lassen sich drei Großlandschaften unterscheiden. Das Tafelland des Westaustralischen Plateaus nimmt etwa 60 Prozent des Kontinents ein. Hier liegen die großen Trockengebiete der Großen Sandwüste, der Gibsonwüste, der Großen Victoriawüste und der Nullarbor-Wüste. Kleinere Gebirge wie die MacDonnell Ranges und Inselberge wie der Uluru überragen das Plateau. Im Osten schließt sich das Sedimentbecken der Mittelaustralischen Senke an. Hier findet man mit der Simpsonwüste sowohl die trockenste Region des Landes als auch das größte Flußsystem, das Murray-Darling-Becken. Der Osten des Landes ist von der Great Dividing Range geprägt, die sich über 3.200 km von Norden nach Süden erstreckt. Auch Tasmanien kann als Teil dieser Gebirgskette angesehen werden. Mit 2.229 m befindet sich in den zur Great Dividing Range gehörenden Snowy Mountains der höchste Berg des Kontinents, der Mount Kosciuszko. Der höchste Berg und gleichzeitig der einzige Vulkan auf australischem Hoheitsgebiet ist mit 2.745 m der auf der unbewohnten Insel Heard gelegene Big Ben. Ein Großteil der westlichen und zentralen Landesteile sind unbewohnbar, im Outback findet sich Platz für extensive Weidewirtschaft – 130 Mio. Schafe und 25 Mio. Rinder. Die Hauptstadt Canberra (308.700 Einwohner) ist eine eigens angelegte Stadt (Planhauptstadt) zwischen Sydney und Melbourne, da diese beiden Städte sich nicht einigen konnten, welche die Hauptstadt sein sollte. Die größten und bekanntesten Städte sind Sydney (4,2 Mio. Ew.), Melbourne (3,6 Mio. Ew.), Brisbane (1,7 Mio. Ew.), Perth (1,4 Mio. Ew.) und Adelaide (1,1 Mio. Ew.). Siehe auch Liste der Flüsse in Australien, Liste der Seen in Australien, Liste der Städte in Australien

Klima

Aufgrund der großen Nord-Südausdehnung des Landes finden sich hier sehr unterschiedliche Klimazonen. Der Norden ist tropisch, es schließt sich ein subtropisches Gebiet an, im Süden ist das Klima gemäßigt. Wetter und Klima werden hauptsächlich von drei Phänomenen bestimmt, dem Tropischen Tiefdruckgürtel, der Passatwindzone und den Subpolaren Westwinden. Im Sommerhalbjahr von November bis April treten im Norden aufgrund eines Hitzetiefs starke Regenfälle auf. Zusätzlich kommt es über der Timorsee zu Wirbelstürmen. Südaustralien liegt zu dieser Zeit im subtropischen Hochdruckgürtel und bleibt weitgehend niederschlagsfrei. Im Winterhalbjahr, Mai bis Oktober, bleibt dagegen der Norden aufgrund eines Hochdruckgebiets trocken, Süden und Südwesten des Landes liegen in der Westwindzone und sind Niederschlägen ausgesetzt. Südostpassatwinde bringen den Gebirgen des Ostens ganzjährig Steigungsregen. Das Zentrum des Landes bleibt ganzjährig weitgehend trocken, 80 Prozent der Fläche Australiens sind semiaride und aride Gebiete mit weniger als 250 mm Niederschlägen im Jahr.

Flora und Fauna

arid siehe auch den Hauptartikel Fauna Australiens Auf dem australischen Kontinent, der seit über 200 Millionen Jahren durch Ozeane von der übrigen Welt getrennt ist, konnte sich eine große Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren entwickeln. Zeugnis dieser isolierten Entwicklung sind z.B. die Beuteltiere (engl.: marsupials) Australiens, die ansonsten nur noch in Süd- und Nordamerika vertreten sind. Von den rund 20.000 heimischen Pflanzenarten in Australien sind ca. 85 % ausschließlich auf diesem Kontinent zu finden. Typisch für die australische Vegetation sind die Eukalyptus- und Akazienbäume, von beiden gibt es über 600 Arten. Der schnellwüchsige und anspruchslose Eukalyptusbaum kommt in den verschiedensten Umgebungen vor, auch im heißen und trockenen Zentralaustralien. Die Größe variiert von Buschhöhe bis zu 90 m. Im Südosten von Australien gibt es ausgedehnte Waldgebiete, die dichteste Vegetation findet sich in den tropischen Regenwäldern von Nordqueensland. Starke Abholzung führt zu einer Gefährdung des Bestandes und bedroht die Artenvielfalt in den Wäldern. In Trockengebieten Westaustraliens kommt der Baobab-Baum vor, auch Flaschenbaum genannt, der in seinem Stamm Wasser speichern kann. Weite Flächen des Landesinneren sind von Grasland geprägt, die bedeutendste Pflanzengesellschaft hier ist das Spinifex-Grasland, das etwa ein Viertel der Landesfläche einnimmt. Typische Vertreter der australischen Tierwelt sind die Beuteltiere. Bekannte Vertreter sind die Kängurus mit über 40 Arten, der Koala, der Wombat, der Tasmanische Teufel oder Beutelteufel, die Beutelmaus und die Gattung der Kletterbeutler (Possums). Einzigartig auf der ganzen Welt sind Eier legende Säugetiere (Kloakentiere), die nur in Australien und Neuguinea vorkommen, in Australien vertreten durch das Schnabeltier (engl. Platypus) und den Ameisenigel (engl. Echidna). Vor der Besiedlung Australiens durch den Menschen waren Plazentatiere nur durch Fledermäuse, Flughunde, Robben und Nagetiere vertreten. Durch den Menschen eingeführte Säugetiere wie Dingos, Kaninchen, Kamele, Füchse usw. stellen heute allerdings eine starke Gefährdung für die australische Fauna dar, vor allem für kleinere heimische Säuger, die der Konkurrenz und dem erhöhten Raubdruck nicht gewachsen sind. Die Vogelwelt Australiens mit den zahlreichen Papageien (Wellensittiche, Lories, Kakadus) und dem australischen Eisvogel (Kookaburra) ist sehr artenreich. Reptilien sind vor allem mit Schlangen, Schildkröten, Krokodilen und Echsen vertreten. Einen einzigartigen Lebensraum bildet auch das Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens, mit einer Länge von 2.012 km das größte Korallenriff der Erde. Auch hier besteht die Gefahr einer nachhaltigen Störung des ökologischen Gleichgewichts durch die intensive industrielle Fischerei in den umliegenden Gewässern und den Tourismus. ökologischen Gleichgewichts Australien reagierte auf die Gefährdung von Fauna und Flora schon früh mit dem Einrichten von großflächigen Naturschutzgebieten, die auch Teile des Meeres umfassen. Der schon 1879 gegründete Royal National Park südlich von Sydney gilt als ältester Nationalpark der Welt. Rund 12 % der Landesfläche sind zu Schutzzonen erklärt worden. Elf Gebiete gehören dem Weltkulturerbe an. Dazu gehören unter anderem der Uluru-Kata Tjuta National Park mit dem Uluru (auch: Ayers Rock), das Great Barrier Reef und die Blue Mountains. Siehe auch Nationalparks in Australien

Bevölkerung

Nationalparks in Australien Die Zusammensetzung der australischen Bevölkerung spiegelt die Einwanderungsmuster des Landes wieder. Rund 92% der Bevölkerung sind europäischer, 7% asiatischer Abstammung. 2,4% der Bevölkerung bezeichnen sich als zumindest teilweise indigener Abstammung. Rund 15% der Weißen sind nicht britischer oder irischer Abstammung. Insbesondere Einwanderer aus Ex-Jugoslawien (ca. 800.000), Griechenland (ca. 600.000), Italien (ca. 600.000) und Polen (ca. 200.000) bilden eigene Minderheiten in Australien. Über 1,3 Millionen Australier haben mindestens einen deutschen Vorfahren. Englisch ist mit etwa 79% der Bevölkerung die am meisten gesprochene Sprache, jeweils rund 2% sprechen chinesische Dialekte oder Italienisch. Seitdem in den 60er Jahren die 'weiße' Einwanderungspolitik Australiens allmählich aufgehoben wurde, verstärkt sich vor allem die Immigration aus den asiatischen Ländern. In den 90er Jahren wuchs die Bevölkerung durch Einwanderung um 1,4% jährlich. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung sind nicht im Land geboren. Die australische Geburtenrate beträgt 1,8 Kinder pro Frau. Die Lebenserwartung beträgt 75 Jahre für Männer, 81 Jahre für Frauen, bei Aborigines 20 Jahre weniger (WHO, 1999). Australien ist sehr stark urbanisiert, 92% der Bevölkerung leben in Städten, vor allem in den großen Zentren an der Südostküste, auf Tasmanien und im Großraum Perth. Das Zentrum des Landes ist nahezu menschenleer. Die Mehrheit der Australier gehört christlichen Religionsgemeinschaften an (Quelle: Volkszählung 2001). 26,6% bezeichneten sich als römisch-katholisch, 20,7% als Anglikaner, weitere 20,7% als Mitglieder anderer christlicher Kirchen. Zum Buddhismus bekennen sich 1,9% der Bevölkerung, zum Islam 1,5%, zu traditionellen australischen Aborigines-Religionen 0,3%. 15,3% bezeichnen sich als areligiös. Von 12,7% wurde die entsprechende Frage in der Volkszählung nicht beantwortet.

Indigene Bevölkerung

Die indigene Bevölkerung des australischen Kontinents setzt sich aus den Aborigines des Festlands und den Torres-Strait-Insulanern, die auf den Inseln der Torres-Strait zwischen Queensland und Papua-Neuguinea leben, zusammen. Vor der Ankunft der Europäer betrug ihre Zahl Schätzungen zufolge zwischen 300.000 und 1 Million Menschen. Diese stellten jedoch kein einheitliches Volk dar sondern gehörten einer Vielzahl verschiedener Kulturen mit über 200 unterschiedlichen Sprachen an, Die britische Krone deklarierte Australien als terra nullius, also unbewohntes Land, als sie das Land für sich in Anspruch nahm. Damit verloren die Aborigines jegliche Rechte auf ihr Land. Erst 1967 erhielten die Aborigines den Status als Staatsbürger. Mit der Errichtung einer Zeltbotschaft vor dem Parlamentsgebäude in Canberra 1972 sollte der Dialog zwischen indigener Bevölkerung und Regierung gefördert werden. Allerdings wurde erst 1992 mit dem Mabo-Urteil die Bezeichnung Australiens als terra nullius revidiert, wodurch es für Aborigines und Torres-Strait-Insulaner möglich wurde, unter bestimmten Voraussetzungen Ansprüche auf Land zu erheben. Trotz dieser Verbesserungen im Status unterscheidet sich die indigene Bevölkerung Australiens auch heute noch vom Rest der Bevölkerung, vor allem in der Gesundheits-, Kriminalitäts- und Arbeitslosenstatistik. Heute bezeichnen sich 410.003 Australier selbst als indigenen Ursprungs (Stand 2001), also 2,4% der Bevölkerung. 29% von ihnen leben in New South Wales, 27% in Queensland, 14% in Western Australia und 13% im Northern Territory. Im letztgenannten Territorium stellen sie 29% der Gesamtbevölkerung, South Australia und Victoria haben nur geringe Anteile indigener Bevölkerung. Die meisten Aborigines haben ihre traditionelle Lebensweise zum größten Teil aufgegeben, das heißt sie leben heute nicht mehr in der ursprünglichen Stammesform wie sie seit Tausenden von Jahren existiert. Mehr als 70% der Aborigines leben in Städten. Die Interessen der indigenen Bevölkerung gegenüber der Regierung werden heute vor allem von der ATSIC (Aborigine and Torres Strait Islander Commission) vertreten.

Geschichte

Wann die Besiedlung Australiens durch Menschen begann, ist bis heute umstritten. Spuren davon werden auf bis zu 120.000 Jahre zurück datiert. Die Aborigines leben seit mindestens 50.000 bis 60.000 Jahren auf dem Kontinent und gehören damit zu den ältesten Kulturen der Welt. Trotz der isolierten Lage des Kontinents standen die Aborigines in Kontakt zu anderen Kulturen. Bis zur Überflutung der Landbrücke zu Neuguinea vor ungefähr 6.000 Jahren bestand ein fast ungehinderter kultureller Austausch zwischen Neuguinea und dem Norden Australiens. Nachdem die neu entstandenen Inseln der Torres Strait vor etwa 1.000 Jahren durch melanesische Seefahrer besiedelt wurden, kam es erneut zu Interaktionen mit Bewohnern des nördlichen Australien. Auch chinesische und indische Händler sowie indonesische Fischer besuchten vermutlich die australischen Küsten seit mehreren Jahrhunderten. Der kulturelle Einfluss dieser Besucher wird in vielen Fels- und Rindenmalereien der Aborigines deutlich. Ein weiteres Zeugnis dieser Handelsbeziehungen ist der Dingo, der wahrscheinlich vor etwa 6.000 Jahren durch südostasiatische Seefahrer eingeführt wurde.

Entdeckung

Dingo Lange vor der Entdeckung Australiens hatten Gelehrte im alten Europa die Existenz eines Südkontinentes behauptet. Häufig wird das rätselhafte "Südland" (lat. terra australis) erwähnt. Marco Polo segelt 1292 von China zurück nach Venedig und erwähnt ein an Gold und Muscheln reiches Land südlich von Java. Im 16. und 17. Jahrhundert erreichen vermutlich portugiesische, französische und spanische Seefahrer die Küsten Australiens und gehen an Land. Als gesichert gilt allerdings erst die Entdeckung der Cape York Peninsula durch den Niederländer Willem Jansz im Jahre 1606. Im Juli 1629 strandete das Handelsschiff Batavia der Niederländischen Ostindienkompanie an der Westküste, aber dessen Kapitän Francisco Pelsaert maß seiner Entdeckung keine entscheidende Bedeutung zu. Erst im Jahre 1642 entschloss sich die Niederländische Ostindien-Kompanie, den Kontinent durch eine geplante Expedition zu erforschen. Abel Tasman entdeckte dabei das heutige Tasmanien. Eine weitere Expedition, die im Jahre 1696 unter Willem de Vlamingh begann, kartografierte Teile der Westküste Australiens. Da die Landschaft aber trocken und unfruchtbar wirkt, zeigten die Holländer kein Interesse, Australien zu kolonisieren. Tasman prägte 1644 die Bezeichnung "Neuholland", die bis 1824 in Gebrauch war, erst dann führten die Briten den heute gültigen Namen ein.

Kolonisation

Im April oder Mai 1770 erreichte schließlich Kapitän James Cook die fruchtbarere Ostküste Australiens und nahm das Land formell als britische Kolonie New South Wales für die Krone in Besitz. Der Zweck seiner Reise war das Auffinden der sog. Terra Australis, die nach einer in der Zeit gängigen Theorie als Gegengewicht zu den Landmassen im Norden der Erdkugel vorhanden sein müsse. Nachdem die USA von Großbritannien unabhängig war, suchte die britische Regierung nach neuen Möglichkeiten, Kolonien für ihre Sträflinge einzurichten. Am 26. Januar 1788 trafen daher die ersten 11 Schiffe der "First Fleet" ("Ersten Flotte") mit Siedlern und Verurteilten unter der Führung von Captain Arthur Phillip im Port Jackson ein. Die neue Ansiedlung wurde Sydney genannt, nach dem Viscount Sydney, dem obersten Kolonialbeamten Australiens. Bis 1868 wurden 160.000 Gefangene dorthin verbannt. 1801-1803 umsegelte Matthew Flinders als erster den gesamten Kontinent.

Gründung neuer Kolonien

1792 landet eine französische Expedition auf Tasmanien, um das Land zu erkunden. Daraufhin entscheiden sich di